Unternehmen in der Gesellschaft - Neue Bedingungen für Partnerschaften (Teil II)

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Corporate Volunteering macht Sinn

Corporate Volunteering macht Sinn, und zwar nicht nur für Unternehmen, sondern auch für Gemeinwohlorganisationen. Allerdings herrscht gerade bei Wohlfahrtsorganisationen eine noch weit verbreitete Skepsis: Zum einen, weil die Zahl der Unternehmen, die sich in dieser Weise engagieren noch relativ gering ist und damit die Suche nach geeigneten Partnern dem Aufspüren einer Nadel im Heuhaufen zu gleichen scheint. Zum anderen begründet sich die Skepsis darin, dass der Nutzen des Corporate Volunteering gegenüber dem schlichten Geldtransfer bei Spenden oder Sponsoring nicht unmittelbar eingängig erscheint.

Auf diese beiden Aspekte - den Nutzen und das Finden geeigneter Partner - will ich in diesem zweiten und letzten Teil der Artikelserie eingehen.

Nutzen für Gemeinwohlorganisationen

Im Zuge der schon zitierten Marketing- und Machbarkeitsstudie "Corporate Volunteering in Deutschland und Köln" hatte die Kölner Freiwilligen Agentur soziale Organisationen nach ihrem größten Bedarf hinsichtlich einer Corporate Volunteering-Unterstützung durch Unternehmen befragt. Die vorrangige Antwort lautete, dass wirtschaftliches Denken und Wissen in den Einrichtungen fehle. Sie wünschten sich insbesondere Unterstützung für ihr Fundraising, den Aufbau eines Förderkreises, die Öffentlichkeitsarbeit, das Marketing und ihr Einrichtungsmanagement. Über den Know-how-Transfer hinaus wurde die konkrete Unterstützung bei Aufgaben, für deren Erledigung die Zeit oder das Geld fehlt, und die Ausweitung des Kontaktnetzwerkes - vor allem zu Gunsten der Klientinnen und Klienten - gewünscht.

Unternehmspartner finden

In der Tat ist hier derzeit der Engpass: So einfach es zurzeit ist, für ein engagementinteressiertes Unternehmen einen passenden Gemeinwohlpartner zu finden, so herausfor-dernd ist es bisher noch, den umgekehrten Weg zu beschreiten. Wenn Sie nicht darauf warten wollen, von einer Mittleragentur oder einem Unternehmen auf eine mögliche (Projekt-)Partnerschaft angesprochen zu werden, sollten Sie folgende Schritte vollziehen:

Projektentwicklung

Erstens: Durchforsten Sie die Herausforderungen, vor denen Sie sich mit Ihrer Einrichtung aktuell befinden: Wo kommen Sie nicht weiter, da Ihnen Know-how, Geld oder Zeit fehlen? Filtern Sie Aktivitäten heraus, die wirklich nur durch Sie selbst bzw. nur durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Ihrer Einrichtung erledigt werden können. Bleibt dann nichts mehr übrig, dann betrachten Sie die Arbeiten, die Sie bislang alle selbst erledigen: Gibt es Tätigkeiten, die auch von Dritten erledigt werden könnten? Aus diesem Fundus können Sie in den weiteren Schritten kleine oder größere Projekte kreieren, die sich für ein Corporate Volunteering eignen.

Zweitens: Definieren Sie für jedes dieser möglichen Projekte das gewünschte Ergebnis - z.B.: ein umsetzbares Marketingkonzept ist erstellt; die X Räume sind renoviert; ein erfolgreiches Fest wurde organisiert ...

Drittens: Stellen Sie den Bedarf an Arbeitszeit und Kompetenzen zusammen, die für ein Erreichen dieser Ergebnisse erforderlich sind. Überlegen Sie, in welcher Weise und Abfolge die wesentlichen Maßnahmen zu erledigen sind.

Viertens: Betrachten Sie sich die zu realisierenden Maßnahmen und den erforderlichen Kompetenz- und Zeiteinsatz und überlegen, welche Art Unternehmensmitarbeiterin-nen und -mitarbeiter hierfür infrage kommen und welche (Lern)Erfahrungen Sie die-sen Personen bieten könnten.

Unternehmensrecherche

Fünftens: Suchen Sie nach geeigneten Unternehmen: In welcher Art Unternehmen (Branche, Größe ...) könnten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, an die Sie denken, tätig sein? Schauen Sie ins Branchenverzeichnis, befragen Sie Ihre Kolleginnen und Kolle-gen, ehrenamtlich Mitarbeitende und andere, um entsprechende Hinweise auf Unternehmen zu erhalten.

Sechstens: Tragen Sie Informationen über diese Unternehmen zusammen: Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben sie an Ihrem Standort? Wie ist ihr Verhältnis zu gesellschaftlichem Engagement (Corporate Citizenship)? Gibt es besondere Ansprüche hinsichtlich der Personalqualität und -entwicklung? ... Diese und mehr Informationen finden Sie im Internet, durch Befragung von Unternehmensmitarbeitern, zu denen Sie Kontakt haben, auf den Wirtschaftsseiten der Tages- und Wochenzeitungen und an ähnlichen Stellen mehr. Je mehr Informationen Sie vorab zusammen getragen haben, um so zielgerichteter können Sie das Unternehmen ansprechen.

Siebtens: Verfassen Sie eine Projektbeschreibung, in der Sie insbesondere die zu erfüllende Aufgabe, den Nutzen für das Gemeinwohl und die zu erwartende Lernerfahrung für "Corporate Volunteers" herausarbeiten. Berücksichtigen Sie hierbei mögliche Nutzenerwartungen der Unternehmen, die Sie durch Ihre Recherche herausgefunden haben.

Kontaktanbahnung

Achtens: Nehmen Sie Kontakt zu den Unternehmen auf, mit denen Sie sich eine Zusam-menarbeit vorstellen können. Gibt es einen persönlichen Kontakt - z.B. über einen Verwandten eines Mitarbeiters Ihrer Einrichtung -, dann steigen Sie hier ein. Ansons-ten rufen Sie bei der Telefonzentrale an und lassen sich mit der Personalabteilung verbinden. Erläutern Sie am Telefon kurz Ihren Vorschlag für ein Projekt und fragen nach dem grundsätzlichen Interesse. Ist dieses vorhanden, schicken Sie die Projektbe-schreibung.

Neuntens: Bleibt das Interesse auch nach der Lektüre der Projektbeschreibung bestehen, kommt es in der Regel zu einem persönlichen Gespräch, in dessen Rahmen die mögliche Projektpartnerschaft genauer erkundet werden kann.

Zehntens: Reicht die gemeinsame Interessengrundlage aus, kommt das Projekt zustande. Seien Sie offen für Variationen Ihrer ursprünglichen Projektidee. Sofern das Unternehmen daran interessiert ist (was nicht immer der Fall ist), sorgen Sie für die öffentliche Wahrnehmung der Projektpartnerschaft.

Was schief gehen kann

Das aktuelle zahlenmäßige Potenzial möglicher Partnerschaften mit Unternehmen ist noch nicht sehr groß. So ist der Erfolg, ein geeignetes Unternehmen zu finden, nicht ga-rantiert, auch wenn alles richtig gemacht wurde. Die Erfolgschancen steigen jedoch, wenn folgende Fehler vermieden werden:

Unklare Ziele: Sie haben nicht präzise herausgearbeitet, welches Ergebnis Sie von dem Engagement erwarten bzw. welche Interessen befriedigt werden sollen.

Kulturunterschiede: Die Unternehmens- und die Wohlfahrtswelt unterscheiden sich in Vielem. Wird dies missachtet, reden Sie an den Unternehmensvertretern vorbei und umgekehrt. Wenn Sie initiativ werden, müssen Sie sich in die andere Kultur und Denkweise Ihres Gegenübers hineinversetzen. Es geht hierbei nicht um ein Anpassen, sondern um ein sich verständlich machen können.

Mangelnde Offenheit: Wenn Sie sich ein gutes Projekt ausgedacht haben und nicht für Veränderungen offen sind, dann verabschiedet sich Ihr Gegenüber schnell, wenn es nicht genau zu ihm passt. Seien Sie also offen für Verbesserungs- und Veränderungsvorschläge. Selbstverständlich müssen Sie auch für sich Ihre Grenze definiert haben.

Informationen zum Artikel

Autor: Dieter Schöffmann

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