Unternehmen in der Gesellschaft - Engagement mit Kompetenz und Personal

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Inhaltsverzeichnis

Einleitung

„Umsatz verpflichtet“ (Frankfurter Rundschau), „Suppenküche statt Überlebenstraining - Lernen in sozialen Brennpunkten“ (Handelsblatt), „Wie New Charity Wettbewerbsvorteile bringt“ (absatzwirtschaft) - Titel, die in der Tages- und Wirtschaftspresse zunehmend zu lesen sind. Ein vor wenigen Jahren noch neuer Trend verstetigt sich in Deutschland: Unternehmen engagieren sich nicht nur finanziell, sondern auch mit ihrer Kompetenz und ihrem Personal für das Gemeinwohl. Diese im angelsächsischen Bereich „Corporate Volunteering“ (USA) oder „Employee Community Involvment“ (GB) genannten Einsätze bedeuten Gewinn für alle Seiten: Imagegewinn, Personalentwicklung und Teamförderung sind Beispiele für den unternehmerischen Nutzen. Gemeinnützige Organisationen profitieren durch die praktischen Arbeitsleistungen, den Wissens- und Kompetenztransfer sowie die hinterfragende Mitarbeit von Menschen aus der erwerbswirtschaftlichen Sphäre. Die beteiligten Unternehmensmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sammeln Erfahrungen und Eindrücke, zu denen sie bzw. ihr Unternehmen normalerweise keinen Zugang haben. Wie das Unternehmensengagement mit Personal und Kompetenz gestaltet werden kann und welchen Nutzen es stiftet, belegen die auf den folgenden Seiten dokumentierten Beispiele aus der Unternehmenspraxis. Sie zeigen die vielfältigen Möglichkeiten dieser Form des Unternehmensengagements und möchten ausdrücklich zur Nachahmung auffordern. Diese Praxisdokumentation wurde erstmals in den Jahren 2001 und 2002 im Auftrag des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) von VIS a VIS konzipiert, recherchiert und zusammengestellt. Auf Grund des großen Interesses an einer fortlaufenden Aktualisierung der Dokumentation, haben wir uns entschlossen, sie in eigener Regie herauszugeben und ca. halbjährlich zu aktualisieren. Im Jahr 2004 hat die Sparkasse KölnBonn der Erstellung einer entsprechenden regionalen Praxisdokumentation für den Raum Köln/Bonn gefördert, deren Ergebnisse ebenfalls in die jetzige bundesweite Dokumentation integriert wurden. Auch in dieser Ausgabe gliedern wir die Praxisbeispiele nach Mitarbeiterzahl der jeweiligen Unternehmen, um Ihnen den Überblick über das unterschiedliche Engagement von Unternehmen zu erleichtern. Alle Unternehmen, die sich mit Personal und Kompetenz für die Gesellschaft engagieren oder entsprechende Projekte im Rahmen der Personalentwicklung realisieren, sind herzlich eingeladen, uns ihre Engagement- und Projektbeschreibung zur Veröffentlichung in der nächsten Ausgabe zu senden. Köln, März 2009 Stephanie Jüres & Dieter Schöffmann VIS a VIS Agentur für Kommunikation GmbH


Corporate Citizenship - Unternehmensengagement mit Kompetenz und Personal

Corporate Volunteering

Der Begriff „Corporate Volunteering“ stammt aus dem angelsächsischen Sprachraum und lässt sich nicht einfach eins zu eins ins Deutsche übersetzen. Gemeint ist, dass sich ein Unternehmen oder eine andere Körperschaft („Corporate“) auf freiwilliger Basis zu Gunsten des Gemeinwesens engagiert, und zwar direkt durch den Einsatz von (Personal) Kompetenzen, (Personal)Zeit oder Ressourcen. Oder indirekt durch die Unterstützung und Förderung des bürgerschaftlichen Engagements seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Damit wird neben dem finanziellen Engagement mittels Spenden und Sponsoring (im Angelsächsischen auch „Corporate Giving“ genannt) eine in Deutschland noch relativ neue Sphäre des gesellschaftsbezogenen Unternehmensengagements erschlossen. Alle in dieser Dokumentation aufgeführten Unternehmen sind gute Beispiele für ein Engagement, dass vor allem auf den gemeinnützigen Einsatz der Unternehmens-, Unternehmerund Mitarbeiterpersönlichkeit setzt. Ein solches Engagement bietet in vielerlei Hinsicht innovative Ansätze, um unternehmerischen Herausforderungen zu begegnen: es profiliert das Unternehmen als guten Bürger, gibt der Personalentwicklung neue Impulse und anderes mehr.

Unternehmen als Bürger

Unter den Begriffen „Corporate Citizenship“ („Unternehmen als Bürger“) und „Corporate Social Responsibility“ („Unternehmerische Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung“) kommt auf immer mehr Unternehmen die Herausforderung zu, nicht nur erfolgreicher Marktakteur zu sein, sondern sich auch als respektabler Bürger dieser Gesellschaft und der Standortgemeinde zu beweisen. Dabei spielt die Qualität des gesellschaftlichen Engagements eine wichtige Rolle. Hat das rein finanzielle Engagement oft den Charakter, „dem Hungernden Fisch für einen Tag zu geben“, wirkt ein Engagement mit Kompetenz und Personal eher dahin, „den Hungernden das selbstständige Fischen zu lehren“. Es werden Erfahrungen und Kenntnisse weiter gegeben und neue Beziehungen geknüpft, die für gemeinnützige Anliegen nachhaltigen Nutzen stiften. Ein Nutzen, der auch auf das Unternehmen positiv zurück wirkt: Es wird öffentlich als engagierter Bürger wahrgenommen. Die Identifikation der beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihrem Unternehmen steigt.

Personalentwicklung

Über die Mitarbeiteridentifikation hinaus können solche Engagements vielfältigen Nutzen in der Personalentwicklung stiften. Durch eine systematische Verbindung mit gemeinnützigen Engagementprojekten erhalten z.B. Outdooraktivitäten, Jobrotation, Actionlearning, Planspiel, Traineeprogramme und andere Personalentwicklungsmethoden eine erweiterte Qualität mit substanziellen Lernerfolgen hinsichtlich fachlicher, sozialer oder Führungskompetenz.

Vielfältige Formen und Möglichkeiten

Ob es nun eher um das gesellschaftliche Engagement, um Imageprofilierung oder um Personalentwicklung geht, die Gestaltungsformen und -möglichkeiten sind vielfältig. Zum Beispiel kann das Unternehmen die Förderung des bürgerschaftlichen Engagements der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellen. Je nach dem, ob dieses Engagement anerkannt, angeregt, erleichtert oder gar unmittelbar unterstützt werden soll und welches Instrument das Unternehmen hierfür einsetzen kann und will (Information, Personalpolitik, Gestaltung von Rahmenbedingungen, Arbeitszeit, Geld / Ressourcen, interne oder externe Öffentlichkeitsarbeit), stehen hierfür mindestens folgende Maßnahmen zur Verfügung:

- Einrichten einer Engagementdatenbank im Intranet, aus der sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Anregungen für das eigene bürgerschaftliche Engagement ziehen können.

- Ausdrückliche Berücksichtung des bürgerschaftlichen Engagements von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei der Einstellung bzw. Beförderung.

- Gründung eines Mitarbeitervereins, mit dem das Mitarbeiterengagement im Unternehmenskontext koordiniert und organisiert wird. (Unternehmensbeispiele im Dokumentationsteil: z. B. AXA, General Electric, Veolia Environment, Victoria)

- Bürgerschaftlich engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kann die Nutzung von Unternehmensressourcen oder eine flexible Arbeitszeitgestaltung für dieses Engagement gestattet werden.

- Das Unternehmen kann eine längerfristige Kooperation oder Partnerschaft mit einer gemeinnützigen Organisation oder einer Mittleragentur wie der Kölner Freiwilligen Agentur eingehen, aus der regelmäßig Engagementanregungen entstehen. (Unternehmensbeispiele im Dokumentationsteil: z. B. KLS Rechtsanwälte, betapharm, ABB, Stadtsparkasse Köln, ISD Intersoh, Valeo) .

- Es können Aktionstage mit Mitarbeitergruppen zu Gunsten einer gemeinnützigen Einrichtung durchgeführt werden. (Unternehmensbeispiele im Dokumentationsteil: z. B. FDK Finanzdienste, EDS, Novartis, SITA)

- Das Unternehmen kann Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (unter bestimmten Bedingungen) für ein gemeinnütziges Engagement mit einem begrenzten Zeitkontingent freistellen (etwa als Sonderurlaub) bzw. das Engagement in der Arbeitszeit zulassen. (Unternehmensbeispiele im Dokumentationsteil: z. B. ABEQ, LoorEns, Cosmo Trading, Ford, Henkel)

- Bürgerschaftliches Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in ihrer Freizeit kann durch Komplementärspenden anerkannt werden: das Unternehmen spendet für einen bestimmten Umfang ehrenamtlicher Arbeit in der Freizeit einen entsprechenden Geldbetrag an die gemeinnützige Organisation, für die das Engagement stattfand. (Unternehmensbeispiele im Dokumentationsteil: z. B. Adam Opel, Deutsche Bank, Securitas, Victoria)

- Durch Mitarbeiterbefragungen kann deren aktuelle Engagementpraxis, ihr Interesse an einem Engagement im Unternehmenskontext bzw. an einer Engagementunterstützung durch das Unternehmen erkundet werden.

- Engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können für ihr Engagement vom Unternehmen (Vorstand und Geschäftsführung) öffentlich ausgezeichnet oder mit Presseporträts etwa in der Mitarbeiterzeitung anerkannt werden.

Diese Förderung des Mitarbeiterengagements überlässt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern die Initiative bei der Ausgestaltung des eigenen Engagements. Das Unternehmen kann aber auch selbst stärker initiativ werden und dabei um die Mitwirkung ihrer Angestellten (vor allem während der Arbeits-, aber auch in der Freizeit) werben:

- So kann das Unternehmen ein gemeinnütziges Anliegen durch Pro-bono-Leistungen unterstützen, die von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in ihrer Arbeitszeit ausgeführt werden. (Unternehmensbeispiele im Dokumentationsteil: z. B. BauArt, Trilogic, BOV)

- Oder das Unternehmen qualifiziert den gemeinnützigen Partner bzw. seine Klientel durch Kompetenztransfer. (Unternehmensbeispiele im Dokumentationsteil: z. B. ContAire, Pattevugel, Streitz Consult, RWE Systems)

- Oder das Unternehmen gründet eine eigene Initiative – etwa in Form eines gemeinnützigen Vereins – und verwirklicht sie mit eigenen Ressourcen inklusive eigenem Personal. (Unternehmensbeispiele im Dokumentationsteil: z. B. Carasana, Bank für Sozialwirtschaft, Bayer)

„Lernen in fremden Welten“ könnte das Leitmotiv für Projekteinsätze in gemeinnützigen Aufgabenfeldern als Teil der Personalentwicklung lauten. Je nach Anzahl der zu beteiligenden bzw. zu qualifizierenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und der einzusetzenden bzw. zu entwickelnden Kompetenzen sind auch hier unterschiedliche Formen und Möglichkeiten gegeben: Je nach Anzahl der zu qualifizierenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Form der zu entwickelnden Kompetenzen sind auch hier unterschiedliche Möglichkeiten gegeben.

- Team- bzw. Gruppenaktionen entsprechen dem oben schon beschriebenen Aktionstag. Im Kontext der Personalentwicklung steht hier jedoch nicht die Engagementanregung im Mittelpunkt, sondern die Team- bzw. Gruppenerfahrung, die Stärkung von „Wir“-Gefühl, zielgerichteter Teamarbeit und ähnlichem mehr.

- Beim Sozialpraktikum (wie es zum Beispiel unter der Marke „SeitenWechsel®“ bekannt ist) steht die Entwicklung bzw. Stärkung sozialer Kompetenz einzelner Führungskräfte im Mittelpunkt. Dies geschieht im einwöchigen direkten Kontakt mit Klienten sozialer Arbeit.


- Bei der Sozialausbildung handelt es sich um die Integration sozialer Komponenten z.B. in die handwerkliche Ausbildung von Schlossern, die einen Monat lang gemeinsam mit Menschen mit Behinderung in einer Behindertenwerkstatt zusammen arbeiten.

- Bei Team-Konzept-Werkstätten entwickelt ein Team von Unternehmensmitarbeiterinnen und –mitarbeitern gemeinsam mit Haupt- und Ehrenamtlichen einer gemeinnützigen Einrichtung an einem Tag ein Konzept, das im Anschluss durch die gemeinnützige Einrichtung umgesetzt wird. Erstmals wurde diese Engagementform beim 2. Kölner FreiwilligenTag durch eine Fundraisingwerkstatt praktiziert.

- Beim Mentoring begleiten einzelne Unternehmensmitarbeiterinnen oder –mitarbeiter Hauptamtliche auf gemeinnütziger Seite oder Klienten der gemeinnützigen Einrichtung in fachlichen oder persönlichen Fragen. (Unternehmensbeispiele im Dokumentationsteil: cologne:callcenter GmbH, The Boston Consulting Group)

- Secondment – die mehrwöchige oder –monatige Mitarbeit von Unternehmensmitarbeiterinnen und -mitarbeitern in gemeinnützigen Einrichtungen bei gleichzeitiger weiterer Bezahlung durch das Unternehmen kann zum Beispiel als Teil von Outplacementmaßnahmen, bei der Vorbereitung auf den Ruhestand oder auch als Zwischenetappe auf der Karriereleiter praktiziert werden.

- Entwicklungsprojekte schließlich dienen vor allem der Fachkompetenz- oder Managemententwicklung einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Mitarbeiterteams einerseits und der Entwicklung eines realen Projektes oder Konzeptes für eine gemeinnützige Einrichtung andererseits. So entwickeln zum Beispiel fünfzehn junge Führungskräfte eines Großunternehmens im Ruhrgebiet im Rahmen einer solchen Personalentwicklungsmaßnahme ein Risikomanagementsystem für eine Suchthilfe gGmbH.

Die Formen und Möglichkeiten des Corporate Volunteering bzw. des Unternehmensengagements mit Kompetenz und Personal sind also vielfältig und setzen den individuellen Vorstellungen der Unternehmen und ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kaum Grenzen, wie auch die Praxisbeispiele auf den folgenden Seiten dokumentieren. Mehr können Sie hierüber auch in dem von VIS a VIS-Geschäftsführer Dieter Schöffmann herausgegebenen Buch „Wenn alle gewinnen“ lesen (siehe Literaturtipp am Ende dieser Dokumentation).

Impressum:

Herausgeberin: VIS a VIS Agentur für Kommunikation GmbH 50668 Köln, Johannisstr. 79, Tel. 0221/420 60 73-0, Fax –9, E-Mail post@visavis-agentur.de, Internet www.visavis-agentur.de Redaktion: Stephanie Jüres & Arno Höfer v.i.S.d.P.: Dieter Schöffmann Ausgabe: 2009/I

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