Corporate Citizenship
Aus Unternehmen in der Gesellschaft
„Corporate Citizenship“ (übersetzt: der Bürgerstatus einer Körperschaft) ist ein zentraler Aspekt des Selbstverständnisses, der Identität (Corporate Identity) eines Unternehmens: Das Unternehmen versteht sich nicht nur als Marktakteur, sondern auch als Teil der das Marktsystem umfassenden Gesellschaft. Wie beim individuellen Bürger betrifft dieses Verständnis sein berufliches bzw. geschäftliches Gebaren (legale Erwerbstätigkeit, mit seiner Erwerbs- bzw. Geschäftstätigkeit per Saldo Nutzen stiften) als auch sein darüber hinaus gehendes Verhältnis zu Nachbarn und Mitbürgern. Erst mit diesem verinnerlichten Selbstverständnis wird die Unternehmenspersönlichkeit (wieder) vollständig und rund. Weiter unten werde ich ausführlicher darauf eingehen, dass die Wiederentdeckung und Annahme dieses Selbstverständnisses für Kapitalgesellschaften ohne prägenden Unternehmer bzw. Unternehmerin eine Herausforderung darstellt, während inhabergeführte Unternehmen meist durch die Inhaberpersönlich-keit diese Sichtweise verinnerlicht haben. Mit einem solchen Selbstverständnis werden Anforderungen aus der Gesellschaft an das Unternehmen bzw. gesellschaftsbezogene Erwägungen im Unternehmen nicht als dem Wesen des Unternehmens widersprechend (im Sinne von: „the business of business is business“) verstanden, sondern als integraler Bestandteil eines erfolgsorientierten Unternehmenshandelns. Entschließt sich das Unternehmen zum freiwilligen gesellschaftlichen bzw. Bürgerengagement, dann lässt sich dies als „Corporate Citizenship-Engagement“ bezeichnen. Mit dem Corporate Citizenship-Engagement erfährt auch die – verpflichtend zugeschriebene oder freiwillig übernommene - gesellschaftliche Verantwortung (Corporate (Social) Responsibility) eine praktische Antwort durch das Unternehmen. Die konkrete Ausgestaltung des Corporate Citizenship- bzw. Bürgerprofils des Unternehmens wird anders als das CSR-Profil stärker von unternehmens- als von branchenspezifischen Faktoren geprägt: Inhaberstruktur, Größe bzw. Mitarbeiterzahl, Lage und Zahl der Standorte spielen hier ein wesentliche Rolle.

